La spiaggia del Passetto

Le Marche – Die Marken. Vor den zahllosen, durch Erdbeben verschuldete Titelseiten, die ihr und ihrer Nachbarregion Umbrien gewidmet wurden, eher eine unbekannte Perle an der adriatischen Küste. Genauso wie der Stadtstrand der anconetani.

Die Marken – Berge und Meer. Die meisten Touristen sind Besucher der im Apennin liegenden Stadt Urbino, Teil des Weltkulturerbes und Bürgerort des Renaissancekünstlers Raffaels. Die anderen sind Reisende, welche in der Hafenstadt Ancona auf ihre Fähre, die sie an jegliche Feriendestinationen am Adriatischen Meer bringt, warten. Sobald man mit dem Schiff aus dem Hafen gefahren ist, sieht man auf den Stadtteil, den die anconetani „Passetto“ nennen.

Zum „Passetto“ gehören einige der ältesten Gebäude Anconas, öffentliche Pärke, das imposante Denkmal an die Verstorbenen des ersten Weltkriegs und ein zum Nationalpark „Parco del Conero“ gehörender Strand, welcher durch zwei faschistische Meisterwerke der Architektur, einer riesigen Treppeninstallation und einem hellblauen Lift, zu erreichen ist.

Ende Juli begegnet man am sommerlichen Treffpunkt der Stadt zu jeder Tageszeit anconetani, die sich im Meer und in der Sonne baden. Läuft man dem zementierten Teil des aus Klippen bestehenden Strandes entlang, gelangt man nach dem künstlich angelegten Sandabschnitt zu Boots-„höhlen“, die in den Kalkstein des Hügels gehauen wurden.

Die Tore sind bunt bemalt, Kacheln schmücken die Wände. Die zwischen der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts und den Sechzigerjahren entstandenen grotte, werden heute immer noch für ihren Ursprungszweck gebraucht, beherbergen daneben aber auch einfache Küchen und Tische, Schlafgelegenheiten wie Hängematten, Liegestühle und manchmal sogar Hochbetten. Etwa 500 Grotten dieser Art sind am und um den Strand Anconas zu finden, alle von Generation zu Generation umgebaut und vererbt.

Läuft man vor den Eingängen der grotte vorbei, sieht man an den Tischen nonni, die während sie briscola (italienisches Kartenspiel) spielen, auf ihre Enkel aufpassen. Diese fangen kleine Fische im klaren Wasser der Bucht und wagen von den Bootsstegen ihre ersten „köpfler“. Derweilen tummeln sich auf den Klippen braungebrannte Jugendliche, die ihre ersten Saltos wagen und in marchigiano mit einander diskutieren.

Als man an den moderneren Grotten vorbeigeschlendert ist, gelangt man zu den wahrhaft alten Bauten, deren Besitzer als Ergänzung illegalerweise Balkone aus Rohren und Holz gebaut haben. Im Meer auf den Felsen stehend, sehen sie zwar nicht wie die sichersten Konstruktionen aus, Topfgärten werden trotzdem angepflanzt.

Wenn die Sonne dann hinter dem Hügel untergeht, haben sich auch schon die tagsüber arbeitenden Eltern an die Tische gesellt und es werden frisch gefangene moscioli mit Pasta gegessen. Geredet und gelacht wird bis lang in die Nacht und wenn sie den Weg nach Hause nicht mehr laufen wollen, übernachten die grottaroli  auf den Hängematten, Liegestühlen, Hochbetten, auf denen sie am nächsten Morgen vom Horn einer vorbeifahrenden Fähre geweckt werden.

Bilder: Alh.

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