«Ins Kino gehen du musst!»

Janina. Eine Filmkritik zu „Star Wars: Die letzten Jedi“. Während die meisten dem 24. Dezember entgegenfiebern, gibt es einige, die gespannt auf den 14. Dezember gewartet haben. Star Wars Fans auf der ganzen Welt freuten sich darauf, endlich erneut Rey (Daisy Ridley), Finn (John Boyega) sowie auch Luke Skywalker (Mark Hamill) und General Leia (Carrie Fisher), den meisten eher bekannt als Prinzessin Leia, wieder auf der Leinwand sehen zu können. Im Voraus wurden zahlreiche Theorien aufgestellt, sämtliche „Star Wars-Marathons“ geschaut und sehr viel darüber spekuliert, wie wohl Regisseur Rian Johnson uns durch eine weit, weit entfernte Galaxie führen würde.

Mittwoch, 13. Dezember, 23:50 Uhr. Im Kino Apollo Chur ist noch nicht Schluss. Nein, es beginnt erst. Um 00:01 Uhr findet die Premiere von „Star Wars: Die letzten Jedi“ statt. Die späte Uhrzeit scheint niemanden zu stören. Oben auf dem Balkon sind fast alle Plätze von überwiegend männlichen Besuchern besetzt und alle schwatzen gelassen miteinander. Doch dann wird es ruhig und man spürt, wie alle den Atem anhalten, während der bekannte gelbe Schriftzug, begleitet von dem üblichen Soundtrack, über die Kinoleinwand fliegt.

Episode 8 knüpft gleich an Episode 7 an: Die 1. Ordnung, für alle Unwissenden das sind die „Bösen“, versucht den Rebellenstützpunkt des Widerstands, das sind logischerweise die „Guten“, zu zerstören. Der wagemutige Pilot Poe Dameron, gespielt von Oscar Isaac, befindet sich unter dem Kommando von General Leia mitten im Kampf gegen die 1. Ordnung und mutet sich dieses Mal zu viel zu. Finn begibt sich auf ein neues Abenteuer mit der Rebellin Rose Tico (Kelly Marie), während Rey versucht, Luke Skywalker zu überzeugen, dem Widerstand und ihr selber zu helfen. Kylo Ren (Adam Driver) und Snoke (Andy Serkis) verfolgen ihr Ziel, den Widerstand zu vernichten.

Aiiaiiaii… Jeder denkt sich jetzt wahrscheinlich, wie das alles in einen Film passen sollte. Ihr habt recht das sind viele Handlungsstränge auf einmal und das kann schnell kompliziert werden. Aber der Film kann so auf Einzelnes genauer eingehen. Besonders die Figur von Rey bekommt viel mehr Tiefe und der Zuschauer bekommt ein Gefühl davon, in welcher Situation sie sich befindet und welche Wahl sie zu treffen hat. Daisy Ridley spielt die Figur mit sehr viel Echtheit und Einsatz. Auch die anderen Schauspieler brillieren vor allem durch ihre Authentizität und Harmonie untereinander. Man hat das Gefühl, dass die Figuren nicht nur verkörpert werden, sondern dass sie wirklich die Figuren sind. Die Übergänge zwischen den Handlungen sind meist sehr geschickt und nahtlos eingefädelt. Jedoch nur meist, weil es doch zwei, drei Szenen hatte, bei denen zu abrupt gewechselt wurde und ich einen Moment lang Mühe hatte, mich wieder zurechtzufinden. „Die letzten Jedi“ hebt sich von den anderen Star Wars Filmen etwas ab. In den bisherigen Filmen waren die Seiten immer klar in Gut und Böse unterteilt. Jetzt wird das aber anders gemacht. Die Seiten sind nicht nur Schwarz und Weiss, sondern es gibt nicht ganz unwichtige Grautöne.

Illustration von Florian Pesti

Nun zum Filmischen. Die Drehorte wechseln zwischen verschiedenen Planeten, Raumschiffen und dem Weltall. Als Zuschauer reist man zum Bespiel nach „Ahch-To“, das ist ein Planet, der fast nur mit Wasser überdeckt ist, ins Casino nach „Canto Bight“ oder zum Planeten „Crait“, der eine rote Oberfläche hat und mit weissem Salz bedeckt ist. Man taucht in jede Welt ein und kann sie erforschen und kennenlernen. Immer wieder begegnet man verschiedensten Wesen. Beispielsweise den niedlichen „Porgs“, über die sich schon einige aufgeregt haben, was ich aber nicht nachvollziehen kann. Die Kulissen sind mit vielen Details ausgestattet und jeder Ort besitzt seinen ganz eigenen Charakter und Stil. So auch der Thronsaal von Snoke, der sehr imposant wirkt und interessante Bilder entstehen lässt. Doch ich möchte da nicht zu viel spoilern. Auch Kostüme und Masken sind originell und passend für jeden Ort gefertigt. Der Film bietet in diesen Bereichen ganz grosses Kino. Auffallend positiv ist auch die Filmmusik, die wie schon bei allen anderen Star Wars Filmen von John Williams komponiert wurde. Denn die Filmmusik enthält neue Melodien, aber auch die alten, die Nostalgie im Kinosaal aufkommen lassen. Präsent, aber nicht zu dominant ist sie und lässt immer wieder wahnsinnige Spannung aufkommen. Auch die Toneffekte sind so gezielt und wirkungsvoll eingesetzt, dass man die Explosionen förmlich spüren kann. Die Speialeffekte wirken echt und beeindruckend. Mit all dem zusammen entstehen so einige Gänsehautmomente.

Ist das hier überhaupt eine FilmKRITIK?! Natürlich. Denn jetzt komme ich, nachdem ich euphorisch von den Stärken des Films erzählt habe, auch noch auf ein paar Kritikpunkte zu sprechen. Der Film ist nämlich mit seinen 152 Minuten doch ein bisschen zu lang geworden. Gerade in der ersten Hälfte hätte man noch kürzen können, ohne dem Film zu schaden. Ausserdem braucht es am Anfang eine gewisse Zeit, sich zurechtzufinden, wegen den vielen parallel laufenden Handlungen. Doch danach konnte ich vollends in die Geschichte eintauchen und spätestens in der zweiten Hälfte war ich komplett im Film gefangen und vergass den Kinosaal rundherum. Ich hätte mir ausserdem gewünscht, dass die Figur von Finn mehr Raum bekommen hätte. Denn Finn wird immer mit sehr interessanten und einzigartigen Figuren umgeben und so jeweils an den Rand gedrängt. Obwohl es bei ihm viel Interessantes zu erzählen gebe, zumal er ja als „Stormtrooper“ aufgewachsen ist. Der Humor ist meistens ein Streitthema, weil jeder eine andere Empfindung hat, was lustig ist. Doch für mich haben die Witze gut funktioniert und mich ein paar Mal zum Lachen oder Schmunzeln gebracht. Aber ich muss auch zugeben, dass in einigen Szenen der Witz unpassend eingesetzt wird und epische oder bewegende Szenen dadurch an Glaubhaftigkeit verlieren.

Das Fazit „Die letzten Jedi“ ist für mich ein Film, der sehr viel Spass macht und wie fürs Kino gemacht ist. Denn besonders durch die grosse Leinwand und das Soundsystem des Kinos konnte ich komplett in den Film eintauchen. Es gibt einige Wendungen und Enthüllungen, die sehr unerwartet sind und den Verlauf der Geschichte komplett auf den Kopf stellen. Die Aufnahmen sind kunstvoll und schön anzusehen. Insbesondere gibt es viele bewegende Aufnahmen von Carrie Fisher, die im Dezember 2016 unerwartet verstorben ist. Diese Aufnahmen sind mit Traurigkeit verbunden, aber lassen auch Nostalgie und Bewunderung im Kino entstehen. Was mich am meisten am Film beeindruckt hat, sind die wunderschönen Bilder, die einen in neue Welten entführen, und die eindrucksvollen Kampfszenen, die den Spannungsbogen in die Höhe treiben. Am Ende des Films braucht man einige Zeit, um das Geschehene zuerst zu verarbeiten und wirken zu lassen, um schlussendlich wieder in den Kinosaal zurückzufinden. Der Film ist für Gross und Klein (älter als 12 Jahre) geeignet und für alle, denen Sci-Fi und Fantasyfilme gefallen. Jedoch sollte man das Star Wars Universum kennen, sprich die früheren Filme schon einmal gesehen haben oder wissen, wer mit wem verwandt ist und was zu was geführt hat.

Denn sonst ist der Film sehr verwirrend und anstrengend anzuschauen und macht keinen grossen Sinn. Man sollte ausserdem vor Augen haben, dass dieser Teil der mittlere Film der Trilogie ist. Das heisst, er dient dazu, eine Verbindung zwischen dem ersten und dem finalen Film zu schaffen und den Grundstein für das Finale zu legen. Diese Aufgabe erfüllt der Film aus meiner Sicht perfekt, weil er intensiver auf die verschiedenen Figuren und ihre Situation eingeht. Ausserdem stehen am Schluss einige Fragen offen und man möchte unbedingt wissen, in welche Richtung sich das Ganze weiterentwickeln wird. „Star Wars: Die letzten Jedi“ hat mich, trotz kleinen Schwächen, überzeugt und begeistert.

02:50 Uhr Im Kinosaal geht das Licht wieder an. Einen Moment lang bleiben alle ruhig in ihren Kinosesseln sitzen, um wieder in der Realität anzukommen. Dann stehen die Ersten auf und verlassen den Saal. Von Müdigkeit ist immer noch nichts zu spüren. Draussen wird noch aufgeregt über das eben Erlebte diskutiert. Der fehlende Schlaf wird sich wohl erst in wenigen Stunden bemerkbar machen, wenn die Wecker beginnen zu klingeln. Doch es hatte sich gelohnt. Zufrieden und mit den Gedanken noch irgendwo in einer anderen Galaxie verlasse ich das Kino Apollo wieder.

Viel Spass im Kino und Möge die Macht mit dir sein!

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