EMS-Press

Online Magazin des Freifachs Journalismus und Medien von der Evangelischen Mittelschule Schiers (EMS Schiers)

„Ich habe es durchgezogen.“

Vom Landei unter farbigen Vögeln zum Direktor der EMS

Hans-Andrea Tarnutzer steht nicht gerne still. Sein Ventil neben der Schule ist der Sport, schon von klein auf war er immer in Bewegung. Während seiner eigenen Schulzeit, habe ihm die EMS Schiers viele neue Perspektiven eröffnet. In den 70er und 80er wurde viel politisiert und rebelliert. Viel anstrengender seien Jugendliche damals gewesen. Heute blickt er schmunzelnd auf diese Zeit zurück. Wer ist dieser Altschierser, der zurückgekehrt und bis zum Direktor aufgestiegen ist? Ein Porträt.

Wir sitzen im Direktorenbüro im Steinbau der EMS Schiers, hinter uns stehen volle Regale mit der langen Geschichte der EMS zwischen den Buchdeckeln. Kaum einer kennt sich damit so gut aus wie Hans-Andrea Tarnutzer. Er kennt die EMS schon seit der Primarschule. Zu Zeiten der ELA, absolvierte er die Grundschule im Ostbau, später folgte das siebenjährige Gymnasium mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt, welches er 1983 abschloss. Während seiner Schulzeit konzentrierte er sich lieber auf das Skifahren im Nachwuchskader, anstelle einer Verbindung beizutreten oder seine erste Zigarette zu rauchen. 

Bis heute ist der Sport sein Ventil, wie er lachend erzählt: „Das ist dann meine Zeit, da stört mich niemand.“ Ob auf Skiern den Berg hinunterkurven, abends mit der Stirnlampe eine Runde auf der Loipe drehen oder mit dem Velo zum Tennisplatz fahren. Ausgleich vom Alltag als Physik- und Sportlehrer sowie Direktor findet er stets auch bei seiner Familie. Mit seiner Frau Edith hat er drei erwachsene Kinder, der Jüngste ist noch Student. Vieles spielt sich in seiner Familie beim gemeinsamen Sporteln ab. 

Wir sind alle fünf so. Es hilft mir – so als Psychohygiene.“

„Wenn Sie mich in der zweiten Primarklasse gefragt hätten, was ich werden möchte, hätte ich geantwortet: Sportlehrer. Ich habe es durchgezogen. Ich bin einfach der Typ.“meint Hans-Andrea Tarnutzer lachend. Gesagt, getan. Zielstrebig studierte er fünf  Jahre an der ETH in Zürich im Hauptfach Sport, im Nebenfach Physik an der Uni Zürich und arbeitete am Institut für Biomechanik. Dadurch eröffnete sich für ihn eine Chance, die zugleich eine wegweisende Entscheidung nach sich zog. Er stand vor der Frage, Biomechanik in Calgary zu studieren oder Lehrperson in Schiers zu werden. Wissenschaft in der Ferne oder Arbeit mit Menschen im Altbekannten? Die Entscheidung fiel ihm einfach, er wollte zurück in die Heimat.

„Ich bin Prättigauer und ich bin ein stolzer Prättigauer.“

Ein Aufstieg zum Direktor war dabei nie seine Intention gewesen. Es habe sich ergeben. Als sich die Möglichkeit ergab, handelte er ganz nach seinem Motto: Ergibt sich eine Chance, dann versuche sie zu packen. Hans-Andrea Tarnutzer ist tief verwurzelt mit Schiers und der EMS. Aufgewachsen in Maria hat er noch mit Kinderaugen bereits den Alemannen, einer Verbindung der Schule, beim Feiern zugesehen. „Das Land um die Alemannia gehört uns. Ich kenne sie, seit ich ein kleiner Bub bin.“

An seine eigene Schulzeit denkt er mit einem Schmunzeln im Gesicht zurück. 

„Es waren sehr viele farbige Vögel da. War für mich noch interessant – so als Landei. Ich war relativ klein, habe mich aber immer irgendwie positionieren können.“

Das absolute Jahreshighlight für ihn kam nicht ganz überraschend – der Sporttag.

„Der war ein absolutes Event! Morgens begonnen mit einem Umzug im Dorf, nachher die sportlichen Anlässe und am Abend waren immer die Produktionen. Das waren für mich die Tage. Es gab sonst noch nicht so viel. Es war etwas Spezielles, eine Ablenkung.“

Seit Hans-Andres Tarnutzer die Schulbank in Schiers gedrückt hat, hat sich nicht nur die EMS verändert und reformiert, sondern die Gesellschaft. Die Jugendlichen waren in den 80ern alle recht politisch. Schüler:innen, welche mit dem rechten Spektrum geliebäugelten, gab es seiner Erfahrung nach nicht. Mitgeprägt haben ihn als Jugendlicher auch die Krawalle und Studentenbewegung in Zürich. 

„Das Aufständige, das Aufmüpfige war bei uns stärker da. Einer meiner Mitschüler wurde fünf Wochen vor dem Abschluss von der Schule geschmissen, hat etwas zu viel gekifft und da haben wir alle gesagt, wir schreiben keine Matura. Wenn der geht, schreiben wir keine Matura. So war etwa die Stimmung.“

Heute bildet das Herz der EMS eine neue Generation. Doch vielleicht gerade deshalb, macht es ihm täglich Freude, mit Jugendlichen zu arbeiten. „Wir waren viel mühsamer“, meint er lachend. „Die heutigen Jugendlichen sind sehr pflegeleicht. Man kann mit euch gut diskutieren, ihr seid recht vernünftig. Und wenn ein Zweitklässler auch mal unvernünftig ist – der darf das.“

Mit dieser Einstellung denkt er auch an die Zukunft. Es ist ihm ein grosses Anliegen, den Schüler:innen neue Chancen zu ermöglichen, wie sie auch ihm geboten wurden. 

„Jugendliche dürfen auch Jugendliche sein.“

Der Direktor versucht die Schüler:innen zu verstehen, ihren Bedürfnissen gerecht zu werden, aber auch Freiheiten nicht zu nehmen. 

Noch ist er grosse Projekte am verdauen, wie das kürzlich erfolgreich lancierte BYOD, das Redesign und den Umbau des Westbaus. Aber schnell wird klar, an Ideen für die Zukunft fehlt es Hand-Andrea Tarnutzer noch lange nicht.

Text und Interview: Caroline

Bild: Jana

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