Hamster und Kassen

Riccarda Hartmann

«Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.» Wie oft habe ich diese Worte an jenem Samstag, dem 14. März, wohl schon benutzt? Ich weiss es nicht mehr. Zu viele Gesichter sind bis jetzt an mir vorbeigezogen. Alles fliesst ineinander. Die Kundschaft. Meine gleichmässigen Bewegungen. Das Piepen der Kasse, wenn die Produkte über den Scanner gleiten. Die leise Musik im Hintergrund, welche ab und zu von einer Werbung für eine Tragtasche mit Äpfeln und Birnen zum Selbstauffüllen unterbrochen wird. Im Laden ist viel los. Beide Kassen sind fast die ganze Zeit besetzt, selten gibt es eine kundenfreie Minute für mich. 

Die Produkte wandern unter meinen Fingern vom linken Förderband weiter über den Scanner auf die rechte Seite. Immer das Gleiche; von links nach rechts, von links nach rechts, Brötchen eintippen, weiter von links nach rechts, Altersabfrage, den Kunden nach der Supercard fragen, bezahlen, freundlich lächeln, einen schönen Tag wünschen, die Produkte des nächsten Kunden von links nach rechts ziehen. 

Der Mittag kommt irgendwann doch noch und ich bin froh, als ich meinen Platz an der Kasse einmal für mehr als fünf Minuten verlassen kann. Nach einer Stunde geht es wieder los.
Abgesehen davon, dass die Einkäufe an diesem Tag oft um einiges grösser sind als ein normaler Wocheneinkauf, und mehr Teigwaren, Rösti und Mehl verkauft werden, merke ich nicht allzu viel von den Hamstereinkäufen, bis ein bärtiger Mann im blauen Overall um die Ecke des Regales für Tierfutter biegt. Der Einkaufswagen ist voll von den Dreierpackungen Zucker, die gerade in Aktion sind. Ich muss mir fast auf die Zunge beissen, um zu verhindern, dass mir etwas wie: «Das wird aber ein grosser Kuchen!», hinausrutscht. Er blickt schon mürrisch genug drein. 

Nach Ladenschliessung sehen wir dann aber doch die Löcher, die sich in manchen Regalen auftun. Das Klopapier ist alle, von den Seifen gibt es auch nicht mehr viele Exemplare. Und wenn jemand am Montagmorgen auf die Idee käme etwas backen zu wollen und dabei bemerken würde, dass ihm das Mehl ausgegangen ist, würde er nicht viel Erfolg beim Einkaufen haben. 

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