Der Bundestag

Angela. Das Ergänzungsfach Geschichte verbrachte eine Woche in Berlin, um sich mit der Geschichte, die hinter dieser historischen Stadt steckt, zu befassen. Neben vielen Museen und Gedenkstätten besichtigten wir auch den Bundestag, um uns ein Bild von der deutschen Politik zu machen.

Das Gebäude des Bundestags entdeckt man schnell, doch um aufs Areal zu kommen, muss eine Sicherheitskontrolle durchschritten werden, die der am Flughafen ähnelt. Auf einer Liste wird ein Häkchen neben die Namen der erschienenen Gäste gesetzt. Die Eingangstüren werden manuell geöffnet, teils schon elektronisch, aber dies wird von der nächstgelegenen Sicherheitszentrale reguliert. Die Besucher werden in Gruppen aufgeteilt und dürfen nach variierenden Wartezeiten ihren Referenten folgen. Insgesamt ein sehr durchorganisierter Betrieb. Der erste Ort, an den das EF Geschichte geführt wurde, war der Plenarsaal.

Dies ist der Ort, wo die Sitzungen des Bundestags stattfinden, allerdings wird in diesen Sitzungen am Gesetz nichts mehr geändert, sondern der Prozess der Gesetzgebung wird noch einmal beleuchtet, indem Rede und Gegenrede stattfinden, Opposition und Koalition, und anschliessend kann jedes Mitglied des Bundestags selbst entscheiden, ob es zustimmt oder nicht. Zur Stimmabgabe wird die Hand hochgehalten. Es gibt dann drei Leute, die die Stimmen zählen – respektive einigermassen einschätzen – und falls einer von denen sich nicht ganz sicher ist, wird zum Hammelsprung aufgerufen. Dazu gibt es im ganzen Gelände einen durchdringenden Alarm, einem Feueralarm ähnelnd was die Intensität angeht, und jeder Abgeordnete muss so schnell wie möglich zum Plenarsaal. Oberhalb der Türen sieht man dann drei Worte: Enthaltung, ja, nein. Jedes Wort steht unmittelbar über einer der Türen. Um die Stimmen zu zählen, muss einfach jeder Einzelne durch die Tür gehen, welche seiner Meinung zu einer bestimmten Frage entspricht, und so werden die einzelnen Stimmen gezählt. Im Normalfall passiert das eher selten, etwa ein Mal in einer Legislaturperiode, doch zurzeit wird wegen ungenannten politischen Spannungen der Hammelsprung sehr viel häufiger gebraucht. Die Tribünen im Plenarsaal, wo während der Sitzungen angemeldete Besucher sitzen dürfen, sind auch ausserhalb der Sessionen begehbar – man darf eine Stunde lang dort verweilen während der jeweiligen Sessionen. Während dieser Sitzungen geschieht eigentlich nichts mehr – die eigentliche Gesetzesausarbeitung geschieht in den zuständigen Ausschüssen, im Plenarsaal wird über die Gesetzesbeschlüsse informiert und schlussendlich abgestimmt. Da Sitzungen im Plenarsaal jeweils den ganzen Tag lang dauern und es auch keine Mittagspausen gibt, ist der Plenarsaal selten ganz voll. Normalerweise erscheinen nur die zuständigen oder interessierten Abgeordneten an diesen Sitzungen. Nach den Tribünen wird man durch Gänge geführt, wo sowjetische Soldaten im Zweiten Weltkrieg, als sie Berlin einnahmen, ihre Namen an die Wände schrieben. Diese Schriften werden als historisches Andenken betrachtet und dementsprechend gepflegt, geschont und restauriert. Eines der Büros der Kanzlerin – nur ein kleines Besprechungsbüro – liegt ebenfalls in diesen Gängen. Gegen Ende der Führung wurde uns noch ein Kunstwerk gezeigt – eine Arbeit, bei der hunderte Schachteln aufeinanderlagen mit Namen von demokratisch gewählten Abgeordneten, die eine Art Gang formten, durch den man hindurchgehen kann. Das Spezielle an dieser Arbeit ist die Stelle der Situation von 1933-1945: Anstelle der Politiker, die die Macht hatten, liegt hier ein schwarzer Block für die 12 Jahre, in denen die Abgeordneten nicht demokratisch gewählt wurden. Ebenfalls findet sich bei allen ehemalig demokratisch gewählten Politikern, die unter dem nationalsozialistischen Regime litten, häufig also starben, ein dicker, schwarzer Strich.

Das Kunstwerk (links) und ein Teil des Kunstwerks mit dem schwarzen Block der dunklen zwölf Jahre.
Nach dem eindrücklichen Kunstwerk wird man auf das Dach geführt und dort allein gelassen, sodass Bilder gemacht werden können. Als wir dort waren, war die Stimmung perfekt: Sonnenuntergang.

Text: Angela
Bilder: Angela
Lektoriert am 30.10.2019.

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