Da war doch mal was…

Sina und Aline.

Vor zwei Jahren hat die EMS, aufgrund des Engagements einiger Schüler*innen, den Versuch des „Vegidonstigs“ gestartet. Dabei gab es in der Mensa, anstatt nur ein Vegimenü, gar kein Fleisch. Aber leider hat das Ganze nicht so funktioniert wie erhofft.
Wir hatten die Gelegenheit, mit Rainer Natter, dem Küchenchef der EMS-Mensa, zu sprechen; dabei haben wir viele spannende Informationen rund um die Mensa erhalten. Zu Themen wie der Herkunft der Lebensmittel, der allgemeinen Nachfrage, den vegetarischen Menüs und der eventuellen Zukunft des Vegidonstigs. Ausserdem haben wir eine Umfrage unter der Schülerschaft der EMS durchgeführt, um zu erfahren; Wieso ist der Vegidonstig gescheitert?
In diesem Artikel haben wir Fragen ausgewählt, die ihr euch vielleicht schon mal zur Mensa der EMS oder dem Vegidonstig gestellt habt, und beantworten diese auf der Grundlage des geführten Interviews und der Umfrage.

Woher kommt eigentlich das Schierser Mensa-Essen überhaupt?

Natürlich werden nicht alle Produkte vom selben Lieferantendienst oder Hof bezogen – die Mensa der EMS hat mehrere Kontakte, die alle sorgfältig ausgewählt wurden und den qualitativen Anforderungen des Teams laufend angepasst werden. Besonders bei tierischen Produkten ist das Angebot sehr regional; darunter sind z.B. die Molkerei Davos, ein Eierproduzent aus Untervaz und die Metzgereien Spiess und Mark für Rind, Kalb oder Schwein. Dies stellt den grössten Teil der Fleisch-Menüs dar; falls aber etwas Spezielleres angeboten werden will, sind es andere Lieferanten: Hamburger und Brätkügeli werden von einem international vernetzten Lieferanten, Entrecôte wird aus Argentinien, Trutenbrust und Kaninchen aus Deutschland, Fisch nur MSC-zertifiziert und aus Zucht bezogen.
Früchte und Gemüse werden vom Landquarter Lieferanten Beiner bezogen; es wird ausserdem auf Saisonalität geachtet. Hier ist zu beachten, dass damit nicht automatisch alle Produkte aus Landquart und Umgebung kommen. Auf der Webseite gibt Beiner[1] aber klar an, dass während der Saison praktisch alle Produkte aus der nahen Umgebung stammen, in der Nebensaison zunächst auf Schweizer Lagerung und dann erst auf Import zurückgegriffen wird.
Bei Trockenprodukten (Reis, Nudeln etc.) wird auf Grosslieferanten wie Saviva oder Transgourmet gesetzt, was bei der Menge an zubereiteten Menüs auch logisch ist.

Achtet die Mensa auch auf Labels / Zertifizierungen?

Labels wie „bio“ oder „IP Suisse“ sind schon lange fester Bestandteil unseres Lebens als Konsument*innen. Die Mensa Schiers bevorzugt bei Früchten und Gemüsen das Label „IP Suisse“. Bio wäre schlicht zu teuer; der Mensa stehen fünf Franken pro Menü zur Verfügung.
Aber nicht nur anerkannte Labels bieten eine Möglichkeit zum Konsum von nachhaltigen Lebensmitteln; eine Idee wäre beispielsweise auch der Gebrauch von sogenannter Ausschussware, also Früchten und Gemüse, die nicht der optischen Norm entsprechen und vielleicht sogar billiger angekauft werden können. Dafür zeigt man sich generell offen und interessiert.

Wie sieht es mit der allgemeinen Nachfrage in der Mensa aus?

Für Fans von Statistiken: Pro Tag werden durchschnittlich 265 Menüs ausgegeben. Der allergrösste Teil davon sind violette Bons für die Fleisch-Menüs. Bei den Vegi-Menüs hat sich die Zahl zwischen 30 und 50 Bons pro Tag eingependelt; bei sehr beliebten Gerichten wie Kaiserschmarrn sind es aber gerne mehr als doppelt so viele. Blaue Bons werden nur wenig abgegeben, ca. 15 Stück. Die Salatbons sind zurzeit vernachlässigbar. Eine Tendenz, die das Team beobachten konnte, ist die steigende Nachfrage bei Vegi-Menüs. Sie ist zwar nicht explodiert, hält sich aber im Vergleich zu vergangenen Jahren höher.
Dazu eine interessante Ergänzung: Laut den Mensa-eigenen Statistiken kommt das Vegi-Menü sehr unterschiedlich an. Während Burger, Moussakka oder Kaiserschmarrn häufig gewählt werden, erfreuen sich Eintöpfe, Quinoa oder Fleischersatz wie Quorn und Tofu weniger grosser Beliebtheit. Bei unserer Umfrage hat sich ausserdem ergeben, dass viele Leute, das Vegimenü noch gar nie probiert haben. Ein Tipp von uns: Gebt dem unbedingt mal eine Chance, auch wenn man es nicht kennt. Der Linsen-Dal ist eins A!

Warum hat der Vegidonstig eigentlich nicht funktioniert?

Eine mögliche Erklärung ist ein möglicherweise nur kurzfristig andauernder Hype. Das Versuchsprojekt lief vier Wochen lang; während die ersten zwei Wochen stark waren, floppte die dritte Woche plötzlich, die vierte noch mehr. Im Vergleich zu den Vorwochen fiel der Donnerstag deutlich schwächer aus. Es wurde anschliessend mit der Schulleitung besprochen, die bei solchen Anliegen das letzte Wort hat, und der Abbruch des Projekts beschlossen. Der Einbruch lässt sich vielleicht auch damit erklären, dass vielen Schüler*innen, die Menüs zu exotisch oder zu ausgefallen waren. Auch die fehlende Aufklärung und Erläuterung zum Vegidonstig wurde kritisiert. Es soll ausserdem vorgekommen sein, dass Schüler*innen donnerstags vermehrt auf Coop oder Volg ausgewichen seien, was auch die Umfrage so bestätigt hat. Viele Schüler*innen seien auch aus reiner Provokation nicht in die Mensa gegangen und haben stattdessen im Dönerladen gegessen, was natürlich konstruktiv wertvoll zur Debatte beiträgt. Ironie off.

Wie sieht die Zukunft des vegetarischen Angebots aus?

Es wurde schon häufiger diskutiert, stärker aufs Vegetarische zu setzen. Momentan läuft es aber gut so, wie es ist. Die Bereitschaft des Mensa-Teams für eine dauerhafte Veränderung im Angebot (ob Vegidonstig, zwei Vegi-Menüs an ausgewählten Tagen etc.) ist grundsätzlich sehr hoch. Aber wie bereits erwähnt, muss das Ganze mit der Nachfrage aufgehen. Es wird weiterhin am Angebot gearbeitet, neue Einflüsse ausprobiert. Die Schülerinnen müssen sich aber schlussendlich selbst motivieren, das Angebot auch zu nutzen; wobei auch wieder angemerkt sei, dass Vegi stetig besser läuft. Eine weiterführende Idee wäre eine vegane Option – da ist die Nachfrage aber wirklich noch zu gering. Viele Vegi-Menüs wären grundsätzlich ziemlich einfach auch „veganisierbar“ oder sind es schon. Eine solche Deklaration auf dem Menüplan würde einige Schülerinnen vielleicht dazu locken, es mal auszuprobieren. Und immerhin sind fünf Prozent der Schülerschaft vegan und weitere 15 Prozent vegetarisch.

Nun, es ist wohl offensichtlich, dass dieser Artikel keinen Exkurs dazu braucht, dass Fleisch grundsätzlich das klimaschädlichste Nahrungsmittel ist. Das sollte mittlerweile überall angekommen sein. Wir schreiben diesen Artikel nicht, weil wir die Fleisch-Menüs der Mensa verteufeln wollen. Trotzdem finden wir es schade, dass ein fortschrittliches Projekt wie der Vegidonstig so schnell abgebrochen wurde, denn jeder sollte einmal in der Woche auf Fleisch verzichten können. Ausserdem wünschen sich 60% aller Befragten ein grösseres vegetarischen Angebot in der Mensa. 30% wollen, dass es so bleibt, wie es ist und 10% ist es egal. Wir würden uns freuen, wenn sich Leser*innen dieses Artikels sich motiviert fühlen, im wahrsten Sinne des Wortes über den eigenen Tellerrand zu blicken und mal die vegetarische Option zu wählen. Denn auch wenn der Vegidonstig nicht mehr ist – das vielfältige, vollwertige und leckere Angebot der Mensa bleibt bestehen.

[1]http://www.beinerag.ch/seiten/produkte.html

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