Buchempfehlung „flüchtig“

Aline.

Zwei Menschen, eine Jugendliebe, jahrzehntelange Ehe. Was nach einem nicht außergewöhnlichen und erfüllenden Lebensentwurf klingt, entwickelt sich schnell zu einer turbulenten Reise sowohl im wörtlichen, geografischen Sinne als auch im übertragenen, geistigen.


In seinem ersten Roman „flüchtig“ rollt Hubert Achleitner (Pseudonym des österreichischen Musikers Hubert von Goisern) die Thematik des Auseinanderlebens in Beziehungen auf. Für junge Leserinnen mag das zunächst nicht so ansprechend wirken wie manch andere Themen, doch „flüchtig“ hat nichts von einer streitgeladenen, hoffnungs- und würzlosen Scheidungsstory, die am Ende vielleicht doch noch irgendwie gut ausgeht. Die Handlung umkreist mehrere Charaktere, allen voran Herwig und Maria. Nach kurzen Jahren einer leidenschaftlichen Jugendliebe und einer einschneidenden Fehlgeburt spüren beide, dass irgendwas nicht mehr da ist, was mal war. Beide schwimmen in ihren separaten Alltagen auf immer stärker getrennten Bahnen durch die Jahrzehnte der Ehe. Maria beschließt jedoch eines Tages, dass sie genug von ihrem momentanen Leben gesehen hat; Hals über Kopf macht sie sich aus dem Staub, entschließt sich gegen die Hinterlassung eines Abschiedsbriefs und erdreistet sich sogar, in Herwigs Auto abzuhauen. Es folgt ein Roadtrip, der Maria und ihre neue Bekanntschaft, Lisa, von den österreichischen Alpen bis nach Thessaloniki in Griechenland führt. Der Sommer ihres Lebens, mit fünfundfünfzig Jahren.

In Griechenland treffen die beiden auf Menschen, durch welche sie sogar in Kontakt mit der mystischen Welt des orthodox christlichen Glaubens treten. Losgelöst vom alten Leben in Österreich bringt Maria den Sommer an der Mittelmeerküste zu; doch plötzlich verliert sich ihre Spur endgültig. Herwig, der schon lange verzweifelt nach ihr sucht, hat die Hoffnung auf ein echtes Lebenszeichen schon fast aufgegeben. Letztendlich treibt es aber auch ihn, auf Drängen seines aus der Alterssiedlung ausgebüxten Vaters hin, ebenfalls nach Griechenland. Er will der Sache auf den Grund gehen. Wo ist Maria? Wieso ist sie ohne ein Wort aus seinem Leben verschwunden? Und was hat es mit dieser Lisa auf sich, die Herwig plötzlich zwei Monate nach diesem Griechenlandtrip kontaktiert? Diese und noch viel mehr Fragen werden sowohl Herwig als auch den Leserinnen des Romans gestellt; die eindeutige Beantwortung erübrigt sich damit natürlich.


„flüchtig“ bietet der Leser*in ein einzigartiges Lesegefühl. Ausnahmslos alle Figuren werden unglaublich lebensnah beschrieben, ermöglichen einen direkten Draht zur Geschichte. Atmosphärische Schilderungen der Städte, Landschaften und Gerüche komplettieren das Erlebnis. Ein Roman zum Versinken, über den Sinn des Lebens Nachdenken und Wecken der Reiselust. Das Bild der malerischen griechischen Küsten und geheimnisvollen orthodoxen Klöstern wird euch nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen, versprochen! Hervorragend geeignet für einen langen Lesenachmittag bei frühlingshaften Temperaturen auf Balkonien oder einer Parkbank.


Wo zu finden?
„flüchtig“ erscheint seit 2020 im Zsolnay Verlag in der ersten Auflage. Der Roman ist auf exlibris, orellfüssli sowie amazon online bestellbar. Er befindet sich außerdem im Angebot der Stadtbibliothek Chur.

Buchcover „flüchtig“
https://literaturblatt.ch/hubert-achleitner-fluechtig-zsolnay/


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